Artikel zum Thema MFT in der Jugendhilfe

Durcheinander, Miteinander: Multifamilientherapie verbindet

Systemische Familienarbeit am Beispiel der Multifamilientherapie in der Jugendhilfe
Christian Scharfe

Beginn der `90er Jahre wurde im Bereich der Kinder und Jugendhilfe gesetzlich verankert, dass Familien aktiv an den zu gestaltenden Hilfeprozessen zu beteiligen sind. Die Position, dass Veränderungsprozesse in der Familie nur mit den verantwortlichen Erwachsenen erfolgreich zu gestalten sind spielt  eine zentrale Rolle. Dabei ist der wichtigste Aspekt, dass für die Kinder Loyalitätskonflikte zwischen ihren Eltern und dem professionellen Helfersystem durch eine gute Kooperation aufgelöst wird.

Gleichzeitig sind die Problemlagen in den zu unterstützenden Familien vielschichtig. Familien, welche unter der Begrifflichkeit der Multiproblemfamilie bekannt sind, müssen parallel unterschiedlichste Lebenssituationen bewältigen. Sie leiden oftmals unter sozialer Benachteiligung, Stigmatisierung und Isolation. Weitere Belastungsfaktoren sind Arbeitslosigkeit, finanzielle Not, sowie Drogen - und Alkoholabhängigkeit.  Innerhalb der Familie zeigen sich unter den Familienangehörigen Beziehungs- und Kommunikationsstörungen. Erwachsene sind mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert und finden keine Wege, diese angemessen zu lenken und zu leiten. Die Rollen zwischen Eltern und Kindern verschieben sich und es kommt zu Hilflosigkeits- oder Überforderungsreaktionen. Vernachlässigung der Kinder oder Gewalt innerhalb der Familie können das Ergebnis dieser Prozesse sein. Verstärkend wirkt, dass Elternteile in Multiproblemfamilien oftmals eigene traumatische Erlebnisse in ihrer Biografie hatten, die zu psychischen und psychosomatischen Erkrankungen führen können. Die Erwachsenen erlebten in ihrer Kindheit häufig  ähnliche Lebenssituationen und können sich in diesen Belastungssituationen auf  keine  positiven Modelle aus der Vergangenheit berufen, sondern zeigen ähnliche Verhaltensmuster, wie die überforderten Erwachsenen von damals.

In solchen Lebenssituationen zeigen Kinder in ihrem Umfeld unterschiedlichste Verhaltensauffälligkeiten. Oftmals sind sie sehr aggressiv gegenüber Dritten oder Gegenständen. Ebenso können sie einen sehr starken sozialen Rückzug zeigen. Die Kinder haben in der Schule häufig Probleme den Schulalltag zu bewältigen und leiden unter Lernschwierigkeiten.

Die Familien erleben in dieser belastenden, lang andauernden Lebenssituation keine Selbstwirksamkeit und binden aufgrund der vielen Problemlagen viele Helfer zur Unterstützung. Dabei ist der Kontakt von den Hilfeempfängern zu den professionellen Helfern oft geprägt von Schuldgefühlen, Scham und Ohnmacht. Die Betroffenen erleben sich als gescheitert und erhoffen sich, aus der Not heraus, Entlastung durch die Profis.

Symptomorientierte Hilfen haben zur Folge, dass sich um die Familien herum große Helfersysteme entwickeln. Durch die vielen individuellen Sichtweisen der Helfer entstehen wiederum dynamische Prozesse innerhalb des Helfersystems deren Abstimmungsprozesse sehr zeitintensiv sind. Die Verantwortung für die Veränderungsprozesse wird oftmals von der Familie an die Helfer übertragen. Gleichzeitig ist der Auftrag an die Helfer das Kind zu „reparieren“, oft zum Scheitern verurteilt, weil das Kind sich aufgrund einer natürlichen Verbundenheit zu seinen Eltern loyal verhält.

Systemisch ausgerichtete Träger der Kinder und Jugendhilfe, wie zum Beispiel der Albert – Schweitzer – Kinderdorf (ASK)- Hessen e.V., mit seinen Standorten in Hanau und Wetzlar, suchen deshalb am Bedarf der Familien orientierte  Angebote und Methoden, da diese hilfreich sind, Familien aktiv in Veränderungsprozesse mit einzubinden. Hierbei ist die rege Beteiligung der Eltern die Grundlage dafür, dass sich für die Kinder positive und nachhaltige Veränderungsprozesse in ihrer Familie entwickeln können. Der Wechsel von einer Kind – zu einer Familienzentrierten Sicht, mit direkter und aktiver Einbeziehung der Eltern und Kinder in den Veränderungsprozess, ist die Basis einer dauerhaften Sicherung des Kindes in seiner Familie. Familien werden in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt, ihre Ressourcen aktiviert, ein Arbeiten auf Augenhöhe gesichert und die Verantwortung für den Hilfe – und Veränderungsprozess bei den Eltern belassen.

Anzuerkennen, dass Familien fähig und willens sind, eigene Lösungen für ihre Probleme zu finden und umzusetzen, ist die Grundvoraussetzung, um immer wieder neue Schritte in der Arbeit mit dem Herkunftssystem zu gehen. Im Rahmen dieser Differenzierung und Profilierung arbeitet der ASK- Hessen e.V. seit 2008 mit dem Konzept der „Multifamilientherapie“ nach Prof. Eia Asen (London) und Prof. Michael Scholz (Dresden).
Prof. Eia Asen setzt seit 40 Jahren das Prinzip der Multifamilientherapie im Marlborough Family Service London um. Ein Schwerpunkt der Arbeit an der Klinik ist die Arbeit mit  Multiproblemfamilien in einem tagesklinischen Setting. Unter Multifamilientherapie ist die simultane Arbeit mit mehreren Familien in einem Gruppenkontext zu verstehen. Anstelle der Arbeit mit einer Familie werden dabei 5 – 8 Familien zu einem gemeinsamen Arbeitskontext zusammengeführt.

„…Die Multifamilientherapie verbindet systemische Prinzipien mit gruppentherapeutischen Wirkfaktoren, wie zum Beispiel gegenseitigerUnterstützung, konstruktive Kritik, Modell – Lernen, Rollenspiel und Feedback…“ (Asen/Scholz „Praxis der Multifamilientherapie 2009). Familien werden angeregt, sich gegenseitig zu helfen, indem sie aktiv miteinander in einen Austausch über ihre Fragen und Probleme, ihre Erfahrungen, Lösungswege und dafür vorhandene Ressourcen gehen. Sie werden zu Experten für die Probleme anderer Familien. Sie sind somit „Experten aus Erfahrung“. Ihre bewältigten Alltagssituationen und Erlebnisse befähigen sie konstruktiv an Veränderungsprozessen für andere Familien mitzuwirken. Sie erleben sich somit nicht nur als Hilfeempfänger, sondern auch als ernst genommener Berater. Dies beinhaltet zudem, dass die Person für ihren Rat wertgeschätzt wird, Anerkennung erfährt und sich ihr Selbstbewusstsein steigert.

Für die Familien, die ähnliche Schwierigkeiten haben, ist es eine neue Erfahrung, sich mit anderen Familien auf Augenhöhe auszutauschen. Viele Familien erfahren durch die Teilnahme an der Gruppe, dass sich die in ihrer Vergangenheit erlebte Isolation und Stigmatisierung reduziert.Der Austausch ermöglicht eine Förderung von Solidarität.

„… Familien sind weniger defensiv, da sie  - wie sie oft sagen – alle im selben Boot sitzen. Das führt zu mehr Offenheit und Selbstreflexion und eröffnet damit bessere Möglichkeiten für Veränderungen. Kontakte werden schneller geknüpft und es kommt eine wohlwollende Neugier in Bezug auf andere Familien und deren Leiden und Lösungsversuche auf. Man beginnt sich gegenseitig zu beobachten und zu kommentieren….. Das hilft eine neue Perspektive zu entwickeln – vor allem, weil auch gegenseitige Kommentare, einschließlich Kritiken, von den Familien und ihren Mitgliedern oft besser gehört und verstanden werden, als wenn sie von Therapeuten geäußert werden….“(Asen/Scholz „ Praxis der Multifamilientherapie 2009“)

Eltern bietet sich während der Treffen die Möglichkeit, neue Erfahrungen im Schonraum der Gruppe zu machen und neue Verhaltensweisen zu erproben. Der regelmäßige Rückkopplungsprozess mit den anderen Familien über eigene Fortschritte, Stagnation und Verlauf fördert eine positive Veränderung alter Verhaltensweisen und Kommunikationsmuster. Die Eltern entwickeln immer mehr Eigeninitiative um Ideen für die Lösung ihrer Probleme zu finden. Innerhalb der Gruppe werden viele realistische Alltagssituationen eingebaut und somit ein unmittelbarer Bezug zum Alltagsleben der Familien hergestellt. Dies können beispielsweise Spiel -, Lern – und Essenssituationen zwischen Erwachsenen und Kindern sein. Zudem werden unterschiedliche Übungen zur Kompetenzerweiterung in die Gruppensitzung integriert. Es werden Interaktionen zwischen den Familienmitgliedern initiiert, um Kommunikation – und Beziehungsmuster  sichtbar zu machen. Die Multifamiliengruppe wird immer von zwei Multifamilientherapeuten geleitet. In Konflikt- und Lernsituationen bringen die Multifamilientherapeuten  Familien miteinander ins Gespräch und fördern so eine Verknüpfung zwischen den beteiligten Personen. Ziel ist es den Austausch der Gruppenteilnehmer zu fördern und für auftretende Problemlagen durch die Größe der Gruppe viele Lösungsperspektiven zu entwickeln. Die Therapeuten sind für den Rahmen verantwortlich, beteiligen sich aber nicht durch Ratschläge oder eigene Vorschläge an der Lösung. Die Ratsuchende Familie wird gestärkt aus den erbrachten Vorschlägen ihren eigenen Lösungsweg zu finden. Sie kann in der nächsten Sitzung über ihre Erfahrung und die Umsetzung  berichten.

Durch den positiven Druck der Gruppe entsteht Verbindlichkeit zwischen den Teilnehmern untereinander. Das Interesse der beratenden Teilnehmer ist groß, Informationen zu erhalten, ob eine gemeinsam entwickelte Lösung umgesetzt wurde und wie sie gewirkt hat.

Die Haltung der Multifamilientherapeuten ist neben dem methodischen Arbeiten der entscheidende Aspekt zum Gelingen dieses Konzeptes. Wichtige Grundlage für das Arbeiten ist der Glaube, dass sich die Familien mit ihren vielschichtigen Problemlagen  verändern können. Die Therapeuten müssen den Familien auf Augenhöhe begegnen, ihnen Respekt und Wertschätzung entgegenbringen und Beziehungs- und Kommunikationsmuster wertfrei beobachten können. Sie sollten sowohl experimentierfreudig und kreativ in der Gestaltung der Gruppe sein, Reflexionsprozesse initiieren können. als auch humorvoll und aktivierend sein.

Es ist zudem das Ziel, dass die Familien in dem, von den Therapeuten gesetzten Rahmen, für die Abläufe in der Gruppe immer mehr die Verantwortung tragen und sich die Therapeuten wiederum immer mehr zurück nehmen.

Um diese Prozesse in Gang zu bringen, haben die Therapeuten viele Gestaltungsmöglichkeiten in der Gruppe. Es gibt viele kreative Übungen, um die Beziehungs-  und Kommunikationsmuster in den Familien zu beobachten. Unterschiedliche Settings können genutzt werden, um die Familien ins Arbeiten zubringen. Der Rollentausch zwischen Eltern und Kindern ist eine davon. Ebenso können Familien aber auch untereinander die Kinder tauschen, um unbelastet neue Erfahrungen in der Erziehung zu machen. Natürlich gibt es viele Interventionen die in der Großgruppe stattfinden, es besteht aber auch die Möglichkeit punktuell nur mit der Kinder – und Erwachsenenrunde zu arbeiten.

Verstärkt werden positive Prozesse durch das Verteilen von Urkunden an die Teilnehmer sowie das Einsetzen von Applaus bei besonderen Leistungen in der Gruppe.

Die Sitzungen werden zudem gefilmt und die Familien haben die Möglichkeit sich besondere Situationen aus den Sitzungen anzuschauen und zu reflektieren. Das Videofeedback hilft somit Prozesse zu analysieren und positive Kommunikation zu verstärken. Zusätzlich kann der Multifamilientherapeut einzelnen Familienmitgliedern in schwierigen Situationen kurze Einzelinterventionen anbieten. Diese finden vor Ort statt und dauern nicht länger als 10 Minuten.

Neben dem, dass Alltagssituationen in der Gruppe eingeflochten werden, sollen auch Orte aufgesucht werden, an denen für die Familien besonders krisenhafte Momente entstehen. So kann es Sinn machen eine Multifamilientherapieeinheit in einem Supermarkt oder einen Zoo durchzuführen, weil dort oft Konflikte zwischen Eltern und Kindern entstehen.
Die dargestellten Prinzipien der Multifamilientherapie zeigen die Vielschichtigkeit der Methode gepaart mit einer wertschätzenden und Ressourcenorientierte Haltung, so dass belastete Familien eine ernsthafte Chance auf Veränderung erleben. Beginnend mit den Erfahrungen aus London gibt es mittlerweile europaweit multifamilientherapeutische Projekte, so auch in Deutschland. Die Methode der Multifamilientherapie breitet sich aktuell hier in Deutschland immer weiter aus und wird gegenwärtig in der Jugendhilfe, an  Kliniken und in der Schule umgesetzt.

Es gibt offene und geschlossene Gruppen, die geleitet werden von Multifamilientherapeuten, -trainern oder -coachs. Die Familien, welche die Gruppen besuchen, sollten ähnliche Problemlagen oder Veränderungswünsche haben. Es gibt geschlossene Gruppen die 6 Wochen jeden Tag intensiv arbeiten, aber auch offene Treffen die über ein Jahr einmal pro Woche zusammen kommen. Diese Gruppen zeichnen aus, dass sie eine hohe Elternbeteiligung haben und aufgrund der besonderen Haltung der Therapeuten nachhaltige Veränderungsprozesse entstehen. Familien sind schnell von dieser Art der Familienarbeit überzeugt. Sie sind somit die besten Experten für dieses Angebot, dessen positive Möglichkeiten sie nicht nur neuen, sondern auch skeptischen Familien bestens erklären können. In vielen Projekten werden deshalb erfahrene Eltern als Experten ins Aufnahmeverfahren mit eingebunden. So entstehen vom ersten Kontakt zwischen den Familien verbindende Strukturen, die die Grundlage zur Vernetzung  bilden.

In den Kliniken der Kinder- und Jugendpsychiatrie wird die Methode vor allem im tagesklinischen Kontext umgesetzt. Ebenso lässt sich Multifamilientherapie aufgrund ihrer Prinzipien gut in der Jugendhilfe umsetzen. Im Albert – Schweitzer – Kinderdorf Hessen e.V. wird sie als ambulante, teilstationäre und stationäre Hilfe für Familien angeboten. Zudem sind in Hanau und Wetzlar Kooperationsprojekte an verschiedenen Grundschulen entstanden, die Familienklasse, deren Arbeitsweise ich hier kurz beschreiben möchte. Die Familienklasse ist ein präventives Projekt. Schülerinnen und Schüler, deren schulischer Erfolg dadurch gefährdet ist, dass sie die Anforderungen beim Einhalten von Regeln und Arbeitsstrukturen nicht ausreichend erfüllen können, sollen mit aktiver Unterstützung ihrer Eltern diese Kompetenzen in der Familienklasse erwerben. Dieses Ziel lässt sich nur gestalten, wenn Eltern in die Veränderungsprozesse mit eingebunden werden. Aus diesem Grund werden im Rahmen eines multifamilientherapeutischen Ansatzes Familien und Schule zusammengeführt. Jedes Kind besucht die Familienklasse in Begleitung eines Elternteiles.

Die Eltern lernen im Klassenzimmer, eigenständig und angemessen auf schwierige Situationen im Umgang mit ihrem Kind zu reagieren. Dabei entwickeln sie ein Gespür für die alltäglichen schulischen Anforderungen und Strukturen, die ihr Kind zu erfüllen hat. Die Eltern unterstützen sich im Lernen gegenseitig und erfahren eine positive Stärkung aus der anwesenden Elterngruppe.

Die Familienklasse findet während der Schulzeit an einem Vormittag in der Woche für 4 Zeitstunden statt. An den anderen Tagen besucht das Kind seinen normalen Unterricht. Der Ablauf des Vormittags ist klar strukturiert und sieht folgendermaßen aus:

  • 1. Stunde: Beginn des Tages mit einer Eingangsrunde, Festlegung der Tagesziele für die Eltern, Auswertung der Bewertungsbögen für die vergangene Woche orientiert an den individuellen Arbeitszielen der Kinder.
  • 2.-3. Stunde: Unterricht in der Klasse. Hierbei unterstützen die Eltern die Kinder die Lernanforderungen der Schule umzusetzen. Den Unterrichtsstoff für den Tag gibt der Klassenlehrer an den Lehrenden der Familienklasse weiter. Einbau einer multifamilientherapeutischen Übung.
  • 4. Stunde: Reflexion und Auswertung des Schultages orientiert an den Tageszielen der Eltern. Ausblick auf die nächste Woche.

Die Pausen für den Schultag in der Familienklasse werden in der Regel analog zur üblichen Pausenzeit durchgeführt.

Der Unterricht findet generell mit der Gesamtgruppe statt. Dies sichert die Wirkung des multifamilientherapeutischen Ansatzes. Im Vorfeld werden die Kinder von ihrem Klassenlehrer für die Aufnahme in die Familienklasse vorgeschlagen. Es folgt ein Erstgespräch an dem die Eltern, das Kind, der Klassenlehrer und die MitarbeiterInnen der Familienklasse teilnehmen. In dem Gespräch werden bis zu 3 Lernziele, positiv formuliert für das Kind festgelegt. Zudem werden regelmäßige Kooperationsgespräche (alle 6 Wochen) in dieser Runde vereinbart, um den Entwicklungsprozess des Kindes zu begleiten.
Im Anschluss lernt die Familie eine Expertenfamilie aus der Klasse kennen, um sich über das Angebot zu informieren.

Nach Aufnahme in der Familienklasse wird zielorientiert an den Arbeitszielen des Kindes gearbeitet. Hierfür werden Bewertungsbögen und Konsequenzenpläne mit der Familie entwickelt. Diese helfen, die Entwicklungsschritte des Kindes transparent und messbar zu machen und werden jede Woche in der Familienklasse ausgewertet. Ausgefüllt werden die Bögen von den Lehrern, die an den anderen 4 Tagen den Unterricht durchgeführt haben.

Multifamilientherapie in der Schule soll Eltern motivieren, Verantwortung für schwierige Verhaltensweisen ihres Kindes in der Schule zu übernehmen und sie darin bestärken, neue Lösungsansätze zu entwickeln und umzusetzen. Aufgrund des Arbeitens in der Gruppe werden elterliche Ressourcen aktiviert und erweitert. Die Eltern lernen dort gemeinsam, dass der liebevolle und wertschätzende Zugang zu den Kindern die Basis einer stabilen Beziehung ist. Diese bildet die Grundlage, um im Alltag Regeln und Absprachen durchzusetzen. Gerade das Umsetzen von konsequentem Verhalten kann in der Gruppe intensiv eingeübt werden.

Die Unterstützung und Rückmeldung der Familien untereinander schafft Prozesse, in denen Familien voneinander lernen. Neue Verhaltens – und Erziehungsmuster können gemeinsam eingeübt werden. Ziel ist es, die Familien zu befähigen, die begonnene Arbeit in ihrem Alltag weiterzuführen. Die Kinder verbleiben ein halbes Jahr in der Familienklasse und sind danach wieder ganz in ihre Stammklasse integriert.

Eine durch den Albert-Schweitzer-Kinderdorf Hessen e.V. betreute Familienklasse in Aßlar (Lahn-Dill-Kreis) läuft jetzt bereits im 3. Jahr. In dieser Zeit haben 23 Familien das Angebot der Familienklasse angenommen.
Die regelmäßige Teilnahme an der Familienklasse durch ein Elternteil liegt bei über 90 %.

Die Eltern haben benannt, dass es aus ihrer Sicht seit dem Besuch der Familienklasse zu Hause weniger Streit gibt, sie selbst ruhiger geworden sind und sich die Zusammenarbeit mit der Schule verbessert habe. Die Klassenlehrer sind der Meinung, dass das Kind sich wieder besser an Regeln halten kann, bessere Sozialkontakte zu seinen Mitschülern hat und im Unterricht zügiger arbeitet.

Kinder antworteten auf die Frage, ob sie die Familienklasse als hilfreich erlebt haben zu 75 % mit „ja, sehr“ und 25 % „eher ja“. Diese positiven Ergebnisse sind ausschlaggebend dafür, dass weitere Familienklassen in der Region entstehen.