Qualitätsstandards zur Durchführung der Multifamilientherapie

für Mitglieder der Bundesarbeitsgemeinschaft Multifamilientherapie e.V. (BAG MFT)

1. Einleitung

Die Multifamilientherapie (MFT) bietet vielfältige Chancen für erfolgreiche und effiziente pädagogische und therapeutische Interventionen in allen Feldern der Kinder- und Jugendhilfe und anderen Kontexten. Die Mitglieder der BAG MFT setzen sich für die Weiterentwicklung und bundesweit erfolgreiche Anwendung der Multifamilientherapie zum Wohle von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien ein.

Die Qualitätsstandards der BAG MFT enthalten die wesentlichen Aussagen zu Haltungen, Ausbildung und Qualitätssicherung der MFT in den Mitgliedseinrichtungen der BAG MFT.

Die Qualitätsstandards werden regelmäßig im Rahmen eines Dialoges der Mitglieder der BAG MFT überprüft und weiterentwickelt.

 

2. Standards der MFT

a) Settings
MFT findet idealerweise mit 6 bis 8 Familien statt. Mit weniger als 4 Familien ist keine MFT möglich. Die Familien kommen möglichst vollständig, wenigstens sind ein Elternteil und ein Kind anwesend. Das Familiensetting wird prozess- und themenorientiert angepasst.

Die Familienklasse ist eine idealerweise wöchentliche MFT für 6 bis 8 Schüler*innen mit jeweils mindestens einem Elternteil im Unterrichtsgeschehen.

Ersatzweise kann jeweils eine andere in enger Anbindung zum Kind/Jugendlichen stehende erwachsene Bezugsperson aus dem familiären Umfeld eingebunden werden. 

b) Personelle Betreuung
Die MFT Gruppe wird von zwei oder drei MFT-Trainer*innen/-Therapeut*innen durchgeführt. Die Familienklasse wird von einer Lehrkraft und mindestens einer MFT-Trainer*in/-Therapeut*in begleitet.

c) Häufigkeit und Dauer
Die MFT findet idealerweise wöchentlich in einem Umfang von mindestens 3 Stunden statt. Je länger die Intervalle zwischen den Sitzungen sind, desto geringer sind die zu erwartenden MFT-Effekte.

Die Dauer zur Durchführung der Familienklasse sollte mindestens 10 Termine betragen.

d) Haltung
Die MFT-Trainer*innen/-Therapeut*innen respektieren die unterschiedlichen Familien-kulturen. Sie belassen konsequent die Verantwortung für die Kinder in den Händen der Eltern oder übergeben sie konsequent. Die Familien bleiben in der Prozess- und Lösungsverantwortung. Diese Haltung ist die Basis zur Sicherung der Teilhabe und Aktivierung der Familien.

Die Haltung der MFT-Trainer*innen/-Therapeut*innen ist geprägt von einer systemischen Sichtweise, einer einfachen Sprache und der konsequenten Ressourcenorientierung sowie einer Wachsamkeit bzw. kritischen Reflexion gegenüber den Möglichkeiten und Grenzen der Methode.

Diese Haltung zu sichern, ist eine der wesentlichen Aufgaben der BAG MFT und ihrer Mitglieder.

 

3. Qualifikation der MFT Trainer*innen/Therapeut*innen

MFT-Trainer*innen/-Therapeut*innen haben eine pädagogische Ausbildung und eine systemische Basisqualifikation als Grundvoraussetzung. Zusätzlich weisen MFT-Trainer*innen/-Therapeut*innen eine MFT-Weiterbildung nach Standard der BAG MFT bzw. eine durch die BAG anerkannte Weiterbildung nach.

Bei fehlender Ausbildung verpflichten sich die Mitgliedseinrichtungen der BAG MFT dazu, die Mitarbeiter*innen der MFT-Projekte zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu qualifizieren.

 

4. Sicherung und Weiterentwicklung der Prozess- und Ergebnisqualität

a) Intervision und Supervision
Zur Sicherung der Qualität finden regelmäßig Supervisionen, Intervisionen und Hospitationen statt. Diese dienen unter anderem der Reflexion des eigenen professionellen Handelns und der Kooperation im Therapeutenteam.

b) Dokumentation
Die Dokumentation der MFT-Sitzungen erfolgt in Eigenverantwortlichkeit der Mitglieder. Im Rahmen des Austausches der Mitglieder der BAG MFT können Vorlagen für die Auswertung entwickelt werden.

c) Methodische Weiterentwicklung
Die Erfahrungen aus der MFT-Praxis der Mitglieder werden systematisch erfasst und den Mitgliedern zur Verfügung gestellt.

d) Evaluation
Ziel einer abgesicherten Evaluation ist, dass die BAG MFT auf der Grundlage gemeinsamer Erhebungen und Auswertungen von Daten aller Mitglieder Aussagen zur Wirksamkeit der MFT treffen kann.

Hannover, am 06.03.2015